=== Die Waldenser, Jan Hus und die Hussiten ===
Eigentlich hatten sie ja nur den stereotypen Ablauf der katholischen Messe beleben wollen, indem sie sich als kundige Laienprediger anboten.Doch dann kamen den Armen Christi, wie sie sich selber nannten, erhebliche Zweifel und Fragen in Bezug auf das ganze Gehabe der Kirche und ihrer Priester. Was Ende des 12. Jahrhunderts als innerkirchliche Protestbewegung um den Lyoner Kaufmann Petrus Waldes begann, entwickelte sich nicht zuletzt auf Grund der brutalen Ablehnung und Verfolgung durch die Kirche zu einer der bedeutendsten spirituellen Bewegungen des Mittelalters und darüber hinaus. Waldes verschenkte sein, zum Teil unrechtmäßig erworbenes Vermögen auf Grund eines Bekehrungserlebnisses spontan an die Armen. Er hatte den Wunsch, der Bibel ein stärkeres Gewicht zu verleihen und wollt sie dazu in die Volkssprache übersetzen. Genau das brachte ihn aber in Konflikt mit der Kirche. Es gibt viele Beschlüsse von Päpsten und Synoden, die sogar den Besitz der Bibel bestraften.Zum Teil durften nicht einmal die Priester selbst eine lateinische Bibel besitzen. Eine Übersetzung in Bearbeitungeine der Volkssprachen, die die Menschen verstehen würden, war strengstens verboten. Wer gegen das Verbot verstieß, wurde zum Ketzer erklärt und musste mit allen von der Kirche dafür vorgesehenen Strafen rechnen - auch der Todesstrafe. Verbotene Bibeln wurden eingesammelt und verbrannt.
[[Datei:Die-Bibel.jpg|400px|thumb|rechts|Die Bibel – Ratgeber, Plagiat und Bestseller in einem Buch]]
(An dieser Stelle ein Hinweis von mir auf einen Artikel über die Bibel in der Buchkammer. Titel: [http://www.buchkammer.de/haftnotizen/die-bibel-ratgeber-plagiat-und-bestseller-in-einem-buch/ Die Bibel – Ratgeber, Plagiat und Bestseller in einem Buch])
Warum wachte die Kirche so streng darüber, dass kein Unbefugter die Bibel lesen durfte? Die Menschen hätten beim Lesen der Evangelien wohl schnell erkannt, dass die Kirche mit ihrem Lebenswandel und mit ihren Kriegen, Folterungen und Hinrichtungen gegen jede einzelne Lehre des Jesus von Nazareth massiv verstieß. Menschen die selbstständig denken, die in Eigenverantwortung ein ethisch hochstehendes Leben anstreben, waren der Kirchenhierarchie schon immer ein Dorn im Auge. Wie die Katharer führten die Waldenser ein einfaches Leben und waren in der Regel geschickte Handwerker. Ihr Ideal war das Urchristentum, wie sie es aus den Evangelien und der Apostelgeschichte ihrer Bibel entnehmen konnten. Waldus und seine Anhänger wurden um 1180 auf Anordnung des Bischofs von Lyon aus der Stadt und ihrem Umkreis vertrieben. Ungewollt sorgte die Kirche damit für rasche Verbreitung der Bewegung. Doch bald fielen sie derselben blutigen Verfolgung durch die kirchliche Inquisition zum Opfer, wie die Katharer. Die Kirche ließ alle Waldenser töten, derer sie habhaft werden konnte und die ihrem Glauben nicht abschworen. Die Bewegung der Waldenser ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Sehnsucht des Menschen nach einem Leben im Einklang mit den urchristlichen Idealen, der Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, sich im Lauf der Geschichte immer wieder neu Bahn brach. Das trifft auch auf andere Bewegungen zu, die zum Teil auf dem Glaubensgut versprengter Waldenser aufbauten.
[[Datei:Jesus-von-Nazareth.jpg|400px|thumb|links|Jesus von Nazareth]]
Im 15. Jahrhundert vertrat in Böhmen der Priester Jan Hus die Lehre von einem einfachen und geradlinigen Leben nach den ethischen Maßstäben der Bergpredigt und verwies auf das frühe Christentum. Auch er geißelte den Amtsmissbrauch und die Bereicherung des Klerus. Um die Auseinandersetzungen zu klären, wurde Jan Hus auf das Konzil von Konstanz, 1414 - 1418, geladen. Dabei hatte man ihm freies Geleit für die Anreise, für die Zeit auf dem Konzil und für die Heimreise zugesichert. Doch schon während des Konzils wurde Hus ins Gefängnis geworfen und furchtbar gequält. Im Frühjahr und Sommer 1415 wurde Jan Hus befragt und als er seine Anschauungen nicht widerrief, wurde bei einer feierlichen Vollversammlung in Münster zu Konstanz sein Feuertod beschlossen, verkündet und noch am gleichen Tag vollstreckt. Verbrennung bei lebendigem Leib, trotz der Zusicherung des freien Geleits das ihm versprochen wurde. Hier kam wieder der Leitsatz von Papst Innozenz III. zum Tragen: "Treu und Glauben braucht einem Ketzer gegenüber nicht gehalten zu werden und der Betrug gegen ihn geübt, wird geheiligt." Durch solche Worte entlarvt sich die Machtkirche und er große Drache, der durch herrschsüchtige und machthungrige Marionetten die Geschicke der Welt lenkt und ihn meinte wohl Jesus von Nazareth als er sprach: "Er war ein Mörder von Anfang an und er steht nicht in der Wahrheit, denn es ist keine Wahrheit in ihm, denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge."
Jan Hus hinterließ keine einheitliche religiöse Bewegung. Die Bezeichnung Hussiten ist eher ein historischer Sammelbegriff für unterschiedliche Gruppierungen, die zunächst vor allem der Protest gegen den Justizmord der Romkirche in Konstanz und der mit ihr verbündeten Herrscher vereinte. Es kam zu den sogenannten Hussiten-Kriegen. Es gab jedoch auch pazifistische Hussiten. Am Ende des dreißigjährigen Krieges duldete man aber nur noch die drei Hauptkonfessionen - katholisch, lutherisch und calvinistisch - die alle Andersgläubigen erbarmungslos verfolgten und hinrichten ließen. So wurde die Brüdergemeinde der Hussiten gezwungen sich aufzulösen.
=== Die Täufer ===